{"id":2882,"date":"2017-02-05T16:00:27","date_gmt":"2017-02-05T15:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/weisse.schokola.de\/wordpress\/?p=2882"},"modified":"2017-02-14T09:57:47","modified_gmt":"2017-02-14T08:57:47","slug":"lohengrin-in-der-deutschen-oper-mit-klaus-florian-vogt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weisse.schokola.de\/wordpress\/blog\/2017\/02\/05\/lohengrin-in-der-deutschen-oper-mit-klaus-florian-vogt\/","title":{"rendered":"Lohengrin in der Deutschen Oper mit Klaus Florian Vogt"},"content":{"rendered":"<p>Joseph hatte mich heute das zweite Mal tapfer zu einer Wagner Oper beigleite und die &#8222;engelsgleiche&#8220; Stimme von Klaus Florian Vogt hat auch ihn begeistert.<\/p>\n<p>Warum Manuela Uhl ausgebuht wurde hat sich mir nicht erschlossen, lediglich an einer einzigen Stelle war ihr Gesang vielleicht etwas ins Schreihen geglitten, aber das soll man erstmal besser machen.<\/p>\n<p>Manuela Uhls Stimme war warm, hell und klar wie man ihn sich f\u00fcr Elsa w\u00fcnscht. Elena Pankratova hat nicht nur durch herausragenden Gesang \u00fcberzeugt, sondern dazu noch auffallen gut die Intrigantin gespielt.<\/p>\n<p>Klaus Florian Vogt war nat\u00fcrlich der herausragende S\u00e4nger des Abends. Allein f\u00fcr Klaus Florian Vogt h\u00e4tte sich der Opernbesuch gelohnt.<\/p>\n<p>Was die Inszenierung sagen wollte blieb f\u00fcr mich nebel\u00f6s, ehr unverst\u00e4ndlich und kaum das erkennbar, was es ausdr\u00fccken sollte.<\/p>\n<p>BESETZUNG<\/p>\n<p>Musikalische Leitung Donald Runnicles<\/p>\n<p>Inszenierung Kasper Holten<\/p>\n<p>B\u00fchne, Kost\u00fcm eSteffen Aarfing<\/p>\n<p>Licht Jesper Kongshaug<\/p>\n<p>Ch\u00f6re Raymond Hughes<\/p>\n<p>Heinrich der Vogler Sung Ha<\/p>\n<p>Lohengrin <b>Klaus Florian Vogt<\/b><\/p>\n<p>Elsa von Brabant Manuela Uhl<\/p>\n<p>Friedrich von Telramund John Lundgren<\/p>\n<p>Ortrud&nbsp;<b>Elena Pankratova<\/b><\/p>\n<p>Der Heerrufer des K\u00f6nigs Dong-Hwan Lee<\/p>\n<p>1. Brabantischer EdlerRobert Watson<\/p>\n<p>2. Brabantischer EdlerJames Kryshak<\/p>\n<p>3. Brabantischer EdlerJohn Carpenter<\/p>\n<p>4. Brabantischer EdlerStephen Barchi<\/p>\n<p>Ch\u00f6re Chor der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Die Webseite der Deutschen Oper Berlin gibt aber weitere verst\u00e4ndliche Einsichten in die Inszenierungsabsicht.<\/p>\n<blockquote><p>ZUM INHALT<\/p>\n<p>Wahlkampf in Brabant &#8211; Kasper Holten inszeniert Wagners LOHENGRIN als zeitloses politisches Machtspiel: Putin beim Armdr\u00fccken und beim Ausgraben einer antiken Amphore, Putin als Pilot eines L\u00f6schflugzeugs, nicht zu vergessen das Bild mit dem sibirischen Tiger! Putin beim Tauchen, Klettern, Rennwagen fahren und beim Versuch, eine Bratpfanne zusammenzudr\u00fccken. Ob ihm Letzteres gelungen ist, ist nicht dokumentiert, aber darum geht es ja auch nicht. Was z\u00e4hlt ist die Pose, die Inszenierung des Helden. Die damit verbundene Botschaft lautet freilich: Willst Du den strahlenden Sieger an der Spitze des Staates, frage nicht, woher er kam oder wie er die Macht errang, denn er will Dich ins Heil f\u00fchren. Einige Politiker, die hierzulande am hellsten, am selbstsichersten in die Kameras gestrahlt hatten, sind nicht mehr im Amt, weil wir nach deren Vergangenheit gefragt und unangenehme Wahrheiten ans Licht gezerrt haben. \u201eErkennt Ihr ihn, so muss er von Euch ziehn\u201c. \u2028\u2028Wenn man sich Lohengrin als einen dieser Politiker vorstellt, der die mediale Geste beherrscht und die st\u00e4rksten Bilder und Legenden bem\u00fcht, um einen Heilsmythos um sich aufzubauen, kann man ihn leicht als machtpolitischen Blender begreifen, der seine Chance wittert, in zerr\u00fctteten Deutschen Landen einen neuen Staat, ein neues System, eine neue Ideologie zu etablieren. Man kann erstaunlich viele Stellen in Wagners Text und Musik aufsp\u00fcren, die eine solche Lesart belegen und tragen w\u00fcrden. Nehmen wir beispielsweise das Frageverbot: Elsa schwebt in Lebensgefahr, wird des Mordes an ihrem Bruder Gottfried angeklagt. Lohengrin bietet ihr zwar seine Hilfe an, aber keinesfalls bedingungslos. Bevor er f\u00fcr sie k\u00e4mpft, schl\u00e4gt er ihr einen Deal vor: Sie soll ihn heiraten, aber niemals fragen, wer er sei. Selbstverst\u00e4ndlich stimmt sie zu, was bleibt ihr anderes \u00fcbrig? Ein wahrer Held h\u00e4tte wohl eine andere Reihenfolge gew\u00e4hlt. Auch an anderer Stelle erweist sich Lohengrin als nicht ganz fairer Partner Elsas: Ihre Panik, er k\u00f6nnte sie wieder verlassen, beschwichtigt er: Sie m\u00fcsse sich keine Sorgen machen, wenn sie sich nur an sein Gebot halte. Wenig sp\u00e4ter offenbart er, dass er vorhatte, nur ein Jahr zu bleiben, um dann in seine Heimat zur\u00fcckzukehren. Es ging ihm nicht um die Frau, sondern um die Position, die sie ihm verschaffen konnte. Sein Ziel war das politische Spiel. Elsa war die B\u00fchne, auf der er seinen gro\u00dfen Auftritt hatte. Es war ganz einfach Wahlkampf in Brabant. \u2028\u2028Nat\u00fcrlich macht der Hang zum politischen Kalk\u00fcl Lohengrin nicht per se zum Intriganten vom Schlage eines Jago, diese Rolle kommt eher Ortrud zu, die als Widersacherin des jungen Ehrgeizlings um den Erhalt der alten Ordnung im Staate k\u00e4mpft \u2013 mit ihrem Gatten Telramund an dessen Spitze. Den Schwanenritter als Vollblut-Politiker zu sehen, den man trotz seiner offenkundigen Tricks verg\u00f6ttert, veranschaulicht aber, dass strategische politische Manipulation oft als notwendige Methode in der Staatskunst wahrgenommen wird. Selbst unverhohlen geheuchelte Demonstration von Standhaftigkeit, Vitalit\u00e4t und St\u00e4rke k\u00f6nnen dem leicht beeinflussbaren Angstb\u00fcrger weit mehr gelten, als Rechtschaffenheit und utopisches Gutmenschentum. \u2028\u2028Man k\u00f6nnte den Medienhelden Lohengrin sympathisch finden und den Machtkampf sportlich, drohte da nicht ein Krieg, ert\u00f6nten da nicht bereits die verheerenden Schlachtrufe. Angesichts der blutr\u00fcnstigen Kriegslust, die in Wagners Werk laut wird, und in Anbetracht der Tatsache, dass der Wahlsieger \u2013 wer auch immer es nun sein wird \u2013 Tausende von M\u00e4nnern in den Krieg f\u00fchren und Frauen zu Witwen machen wird, angesichts der Verblendung, dass Krieg ein ehrenhaftes Unterfangen, ein w\u00fcrdiges Abenteuer f\u00fcr junge M\u00e4nner sein k\u00f6nnte, erlahmt sofort jede verharmlosende Geste gegen\u00fcber \u00f6ffentlichkeitswirksamer Irref\u00fchrung. Wenn nach dem Motto \u201eWer nicht f\u00fcr uns ist, ist gegen uns\u201c ein Krieg angezettelt und zum Kampf auf Leben und auf Tod aufgerufen wird, werden Prinzipien vern\u00fcnftiger politischer Einsicht auf die Probe gestellt, ob es sich nun um einen demokratischen Staat handelt, oder um einen Obrigkeitsstaat, der vorgibt, um das soziale Wohl seiner B\u00fcrger besorgt zu sein. \u2028\u2028Elsa hat das verstanden. Sie durchschaut Lohengrin, sie hinterfragt ihn, entbl\u00f6\u00dft sein selbstverliebtes Machtstreben, auch wenn sie f\u00fcr ihr Land keine Alternative sieht, auch wenn es Angesichts des Verschwindens Gottfrieds keinen Nachfolger f\u00fcr den Herrscher von Brabant gibt. Will der \u00fcberf\u00fchrte Held an der Macht bleiben, muss er ernsthafte Absichten entwickeln und sich als selbsternannter Sch\u00fctzer des Volkes oder in anderen F\u00e4llen als \u201elupenreiner Demokrat\u201c beweisen, denn von nun an steht er unter Beobachtung. Er muss sich ohne den Panzer des Mythos behaupten und dem Charisma des von der fremden Macht Geleiteten entsagen. Und dann schauen wir mal.&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle www.deuscheoperberlin.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph hatte mich heute das zweite Mal tapfer zu einer Wagner Oper beigleite und die &#8222;engelsgleiche&#8220; Stimme von Klaus Florian Vogt hat auch ihn begeistert. 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